LEBEN, ERLEBEN UND LERNEN

Therapeutisch wirkende Maßnahmen

ÄUSSERE ANWENDUNGEN: VON AUSSEN NACH INNEN WIRKEN

Je nach Bedarf und Konstitution gehören bei den Kindern und Jugendlichen auch äußere Anwendungen zur Therapie. Eine der wichtigsten ist die von Dr. Ita Wegmann nach den Erkenntnissen der anthroposophischen Medizin entwickelte Rhythmische Massage: Diese Weiterführung der klassischen Massage wirkt gezielt auf die Atmung sowie auf die Zirkulation von Blut und Lymphe und setzt so Heilungsprozesse in Gang. Durch ihre vielen verschiedenen Griffqualitäten kann die Rhythmische Massage sehr vielseitig angewandt werden. Je nach Griffqualität wirkt die Behandlung auf- oder abbauend, belebend, beruhigend, formend oder entstauend und  gleichzeitig immer durchwärmend.

 Häufig kommt auch das Öldispersionsbad zum Einsatz. Es wurde 1937 vom medizinischen Bademeister Werner Junge entwickelt und beruht auf dem Prinzip, naturreine Öle durch ein spezielles Verfahren in feinster Auflösung mit dem Wasser zu verbinden. So können die Öle beim Baden über die Haut bis in die Blutbahn aufgenommen werden und dort ihre heilende Wirkung entfalten. Je nach Bedarf werden unterschiedliche Öle für das Öldispersionsbad eingesetzt. Als weitere äußere Anwendungen nutzen wir Wickel und Auflagen, Rhythmische Einreibungen und Medizinische Bäder.

HEILPÄDAGOGISCHE EINZELFÖRDERUNG: JEDER IN SEINEM TEMPO

Die Arbeit in den Förderstunden geschieht auch auf den Grundlagen der Sinneslehre von Rudolf Steiner. Das Erlernen schulischer Inhalte wird gestützt durch eine Festigung im Bereich der basalen Sinne. In einem geschützten, vertrauten Rahmen haben die Kinder und Jugendlichen die Möglichkeit, wichtige Erfahrungen anhand künstlerisch-praktischer Tätigkeiten zu wiederholen und zu festigen. Das sind zum Beispiel gezielte Bewegungsübungen, aber auch Zeichnen, Plastizieren mit Ton, Malen, kreatives Schreiben und Spielen als therapeutische Maßnahme. Das Interesse am Lernen wird geweckt! Die Kinder können in ihrem eigenen Tempo die Lerninhalte durcharbeiten, vertiefen und somit Erfolgserlebnisse gewinnen.

MIT MUSIK DAS ICH ANSTIMMEN

Bei der Musiktherapie machen wir uns die starke emotionale Wirkung sowohl des Musikhörens als auch des aktiven Musizierens zunutze. Auf der einen Seite regen wir die bewusste Hörwahrnehmung an und verhelfen zu seelischer Stabilität beim Verarbeiten starker musikalischer Eindrücke. Andererseits sollen sich die Kinder und Jugendlichen durch experimentelles Musizieren mit leicht spielbaren Instrumenten persönlich ausdrücken. Unter therapeutischer Anleitung finden sie Sicherheit im Entdecken vertrauter Klänge und verbessern durch das Erarbeiten neuer Hör- und Spielbereiche ihre Selbstwahrnehmung und ihre Selbstkontrolle.

Die aus der anthroposophischen Menschenkunde heraus entwickelte Musiktherapie nutzt dabei gezielt musikalische Gesetzmäßigkeiten wie z. B. Rhythmen und damit verbundene Übungen zur Bewegung und zur Raumorientierung. Zudem setzt sie Intervalle, also Spannungsverhältnisse zwischen Tönen, therapeutisch in Beziehung zu körperlich-seelischen Vorgängen. Die Musiktherapie hat sich besonders bei Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, Antriebsschwierigkeiten, autistischen Störungen und Depressionen bewährt.

KRÄFTE AUSGLEICHEN DURCH HEILEURTHMIE

Die Heileurythmie ist eine Bewegungstherapie, die von Dr. Rudolf Steiner im Zusammenhang mit der anthroposophischen Medizin entwickelt wurde. Sie basiert auf der Annahme, dass beim gesunden Menschen die körperlichen, seelischen und geistigen Kräfte miteinander harmonieren. Bei einer Erkrankung ist diese Kräftekonstellation gestört. Gezielte heileurythmische Bewegungsübungen können sie wieder in ein gesundes Gleichgewicht bringen.

 Grundelemente der Heileurythmie sind in Bewegung umgewandelte Sprachlaute, die je nach therapeutischer Zielsetzung angewandt werden. Jeder dieser bewegten Laute steht durch die ihm innewohnenden Ausdrucks- und Gestaltungskräfte in einer bestimmten Wirkungsbeziehung zu den Vorgängen unseres Organismus. Deshalb wirkt Heileurythmie wie ein Medikament bis in die Funktion einzelner Organe. Auch musikalische Elemente werden auf diese Weise in der Heileurythmie eingesetzt. Die Therapie erfolgt immer auf Verordnung des Arztes, meist mehrmals wöchentlich über einen sich rhythmisch wiederholenden Zeitraum, in Einzelfällen auch kontinuierlich.

DIE FORMKRAFT DER SPRACHE NUTZEN

Durch das Sprechen offenbart sich der Mensch mit all seinen Fähigkeiten und Eigenarten der Umwelt. Durch den künstlerischen Umgang mit den Formkräften der Sprache können wir auf das Seelen­leben ordnend und harmonisierend wirken. Die Sprachgestaltung empfiehlt sich sowohl bei den klassischen Sprachleiden als auch zur Reifung und Festigung und Reifung der ganzen Persönlichkeit.

AUF DEM PFERD ZUR INNEREN HALTUNG FINDEN

Bei der Reittherapie wird heilpädagogisches Voltigieren und Reiten eingesetzt, um bei jungen Menschen mit sonderpädagogischem Förderbedarf positive Verhaltensänderungen zu bewirken und verschiedene Lernvorgänge auszulösen. Mit Hilfe des Mediums Pferd kann der Therapeut allgemein erzieherisch arbeiten und zugleich die sozial-emotionale und die motorische Entwicklung eines Kindes oder Jugendlichen positiv beeinflussen. Die Reittherapeutin Kathrin Gärtner unterstützt seit vielen Jahren unsere pädagogischen und therapeutischen Bemühungen mit den beiden Pferden Sari und Ladyn auf dem Gelände des Breedenhofs.

MIT TIEREN DIE SINNESWAHRNEHMUNG SCHULEN

Bei der tiergestützten Pädagogik setzen wir zur Förderung von Kindern und Jugendlichen Pferde, Hunde, Nager und Greifvögel ein. Das vorrangige Ziel ist es dabei, mit Hilfe des Tieres eine Umgebung zu schaffen, in der sich Körper, Geist und Seele optimal entwickeln können. Durch die Bewegung und die gleichzeitige intensive Schulung der zwölf Sinne (nach der anthroposophischen Sinneslehre) verfeinern sich die Wahrnehmungen, was sich positiv auf die sozialen und persönlichen Kompetenzen auswirkt. Außerdem fördert die tiergestützte Pädagogik die Motorik, das Lernvermögen und das Selbstvertrauen.

In der Schule hilft uns die tiergestützte Pädagogik dabei, den Kindern Fachkenntnisse zu Tier und Natur sowie deren Schutz vermitteln. Ein erfreulicher Nebeneffekt ist, dass die Arbeit mit den Tieren auch die Sozialkompetenz verbessert und somit den Klassenzusammenhalt stärkt. Zurzeit arbeiten wir mit unserem Labradoodle Sjaella, den Meerschweinchen Cappuccino und Espresso, den Reittherapie-Pferden Sari und Ladyn, dem Wüstenbussard (Harris Hawk) Anjouli sowie weiteren Greifvögeln der Horus-Falknerei.

12 SINNE HAT DER MENSCH

Die Entwicklung der Sinne beginnt während der Embryonalzeit und zieht sich durch die gesamte Kindheit und Jugend. In der anthroposophischen Menschenkunde werden neben den bekannten fünf Sinnen Hören, Sehen, Schmecken, Riechen und Tasten sieben weitere Sinne beschrieben. Die Lehre über die Entwicklung und Förderung dieser zwölf Sinne ist eine wesentliche Grundlage der Waldorfpädagogik und der anthroposophisch orientierten Heilpädagogik.