Willkommen in Haus Arild

Haus Arild ist ein Lern- und Lebensort

Haus Arild ist ein außergewöhnlicher, anthroposophisch geprägter Lern- und Lebensort für Kinder und Jugendliche mit einem besonderen Hilfebedarf im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe  oder der Eingliederungshilfe. Neben dem stationären Bereich und dem Tagesgruppenbereich gibt es bei uns eine anerkannte Förderschule in freier Trägerschaft mit den Förderschwerpunkten "geistige Entwicklung", "Lernen" und "emotionale und soziale Entwicklung". Vielfältige therapeutische und erlebnispädagogische Angebote sowie ein Kindergarten und ein eigener Dorfladen gehören ebenfalls zu unserer Einrichtung. Haus Arild liegt vor den Toren Lübecks, in Bliestorf im Kreis Herzogtum Lauenburg (Schleswig-Holstein).

BEGLEITEN UND FÖRDERN NACH ANTHROPOSOPHISCHEM ANSATZ

Der Begriff "Anthroposophie" bedeutet wörtlich übersetzt "Weisheit vom Menschen" und bezeichnet die von Rudolf Steiner begründete Erkenntnistheorie zur menschlichen Bewusstwerdung. Die Anthroposophie hat die Bildung, die Medizin, die Landwirtschaft, die Kunst und viele andere Bereiche geprägt. Bei der anthroposophischen Heilpädagogik steht nicht Wissensvermittlung durch theoretisches Lernen im Vordergrund, sondern das Erkennen und Begreifen durch konkrete persönliche Erfahrungen. Ihr Ziel ist die individuelle Förderung der körperlichen, seelischen und geistigen Entwicklung, um ein selbstbestimmtes Leben in der Gesellschaft zu ermöglichen. In Haus Arild ist diese Idee die Grundlage des gesamten erzieherischen und therapeutischen Wirkens.

Haus Arild ist heute selbstverständlicher Bestandteil des Dorflebens

Unsere heilpädagogische Arbeit ist eng mit Betrieben aus der Umgebung verknüpft, etwa mit den Stecknitz-Werkgemeinschaften oder mit der biologisch-dynamischen Landwirtschaft und Gärtnerei auf dem Breedenhof.
Bliestorf bietet eine funktionierende dörfliche Gemeinschaft der rund 600 Einwohner*innen und ein vielfältiges Vereinsleben, das auch unseren Kindern, Jugendlichen und Mitarbeiter*innen offensteht (Näheres unter www.bliestorf.de). Wassersportler schätzen die Nähe zum Ratzeburger See, zum Schaalsee und zur Ostsee. Die alte Hansestadt Lübeck mit ihrem historischen Stadtkern und einem reichhaltigen kulturellen Angebot ist schnell erreichbar. Dort befindet sich auch die nächste Freie Waldorfschule. Lübeck ist nicht nur Hafen- und Universitätsstadt, sondern auch Weltkulturerbe. Ratzeburg, Mölln und Bad Oldesloe liegen jeweils rund 20 Autominuten entfernt, bis nach Hamburg fährt man eine knappe Stunde.

Leitgedanke
Erlebnispädagogik Therapie findet auch in der Gruppe statt. Vertrauen lernen. Die Gruppe trägt eine liegende Person.

Haus Arild ist eine Einrichtung für junge Menschen, die einen besonderen Hilfe- und Förderbedarf haben.

Wir arbeiten heilpädagogisch und inklusiv mit besonderem Augenmerk auf handlungs- und erlebnispädagogischen Elementen. Wir verstehen uns als Lebens- und Arbeitsgemeinschaft auf anthroposophischer Grundlage. In Haus Arild sprechen wir von Seelenpflege, denn in der Entwicklung der jungen Menschen, die zu uns finden, hat es zumeist Ereignisse gegeben, die dazu geführt haben, dass die Entwicklung des Seelischen nicht in dem erforderlichen Maße vollzogen werden konnte. Viele der jungen Menschen, denen wir einen Platz anbieten, wurden im Verlauf ihrer Biographie seelisch verletzt. Seelenpflege soll geschehen, indem durch Bindungs- und Beziehungsaufbau, durch Entgegenbringen von Vertrauen, durch die Förderung der Ressourcen, aber auch durch Setzen von Rahmen und Grenzen ein sicherer Ort für die jungen Menschen entsteht.


Die Bildung eines heilsamen, schönen Milieus in den Häusern und auf dem Gelände ist wichtiger Bestandteil unserer Arbeit.

Um eine Atmosphäre zu schaffen, die zur Förderung der Entwicklung der jungen Menschen beiträgt, arbeiten die verschiedenen Arbeitsbereiche interdisziplinär eng zusammen. Die Beteiligung der jungen Menschen und der sorgeberechtigten Personen sowie die Einbeziehung der öffentlichen Träger der Kinder- und Jugendhilfe und weiterer beteiligter Stellen (z.B. Mediziner und Therapeuten) ist selbstverständlich. Wir verstehen uns auch als christlich orientierte Einrichtung, gehören aber keiner Kirche oder Glaubensgemeinschaft an und respektieren und fördern selbstverständlich auch die Ausübung aller religiösen Ausrichtungen, sofern sie nicht im Widerspruch zu unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung stehen. Wir möchten, dass sich die uns anvertrauten jungen Menschen sicher fühlen. Ein gewaltfreies Miteinander ist uns ebenso wichtig wie eine dem jeweiligen Entwicklungsstand entsprechende Selbstbestimmung. Um dies zu erreichen, gibt es für die jungen Menschen in Haus Arild eine Vertrauensstelle für Gewaltprävention, ein Gewaltpräventionskonzept und ein Konzept für Beschwerdemanagement und Partizipation.

 

Das Gelände

Das wilde und schöne Gelände

Das Gelände von Haus Arild hat viele Grün- und Freiflächen, um sich ruhig und besinnlich oder ausgelassen und fröhlich bewegen zu können. Auf jeden Fall aber spricht es den Menschen in seinem tiefsten Inneren an und erzeugt Bilder, Stimmungen und Gedanken in ihm, die ihm als Kraftquelle für den Alltag dienen können.
Die Schule und das Heim von Haus Arild nutzen das parkähnliche Gelände mit Spiel- und Grillplätzen, mit Spazierwegen, mit versteckten Hütten und üppigen Staudenbeeten, mit Rasenflächen und Streuobstwiesen, mit einem Wäldchen und einem Bachlauf für verschiedene Aktivitäten. Die jungen Menschen können dort Ballspielen, klettern, sich bei der Landschaftspflege einbringen oder einfach nur „chillen“.

Der Schutz von Natur und Umwelt ist uns ein besonderes Anliegen! Deshalb haben wir viele Blühflächen, einige Bienenstöcke, Vogel- und Fledermauskästen, Igelplätze, eine Schafherde als Landschaftsschützer und manches mehr.

Auf dem Gelände sind an verschiedenen Stellen Skulpturen des Bildhauers Raoul Ratnowsky aufgestellt, Sie sollen Bewohner*innen, Mitarbeitende und Besucher*innen anregen und inspirieren.

Sitzplatz am Backhaus
Ein haufen Zweige ist für Insekten- und Igel ein Schutzort.
Freifläche des Kindergartens „Wieseneck“
Freifläche des Kindergartens „Wieseneck“
Häuser

Die Häuser und ihre Geschichte

Auf dem parkähnlichen Gelände verteilen sich elf Häuser mit unterschiedlichen Funktionen. Außerhalb des Geländes gibt es zwei weitere Häuser, in denen der Jugendwohnbereich untergebracht ist.
Eigentümerin des Kerngeländes und der Mehrzahl der Gebäude ist die Turmalin-Stiftung mit Sitz in Rondeshagen. Der Träger von Haus Arild, der Verein zur Förderung heilender und menschenbildender Erziehung e.V., mietet diese Häuser.
Haus „Imatra“ gehört als Teil des Jugendwohnbereichs dem Verein für soziale Lebensgestaltung durch Kunst- und Kulturschaffen e.V.

Die meisten Häuser sind nach besonderen Orten im irisch-schottischen Raum oder nach Figuren der keltischen Mythologie benannt.

Bei Interesse an der Entstehung, Nutzung und Namensgebung der einzelnen Gebäude auf dem Gelände von Haus Arild, fragen Sie bei uns gern nach der Broschüre "Zu den Häusernamen".

 

„Haus Ildana“, das Schul- und Werkstattgebäude
Haus Ethaun, Wohnhaus mit 2 Gruppen und Waldorfkindergarten Wieseneck
Eingang zum Haus Ethaun
Schulhaus „Lugh“, in dem sich auch der große Saal befindet. Hier finden viele unserer Veranstaltungen statt.
das „Waldhaus“, Wohnhaus mit 2 Gruppen
Haus Aibrice, Wohnhaus mit 2 Gruppen
Haus Skarba, Wohnhaus mit 2 Gruppen
Ein ehemaliger Zugwagon
Feste

Ziemlich feste feiern

Das Feiern ist ein zentrales Element in Haus Arild. Einige unserer Feste sind ruhig und besinnlich, andere ausgelassen und fröhlich. Auf jeden Fall aber sprechen sie den Menschen in seinem tiefsten Inneren an und erzeugen Bilder, Stimmungen und Gedanken in ihm, die ihm als Kraftquelle für den Alltag dienen können. Haus Arild gehört keiner Kirche oder religiösen Gemeinschaft an, dennoch sind uns vor allem die christlichen Jahresfeste wichtig, durch die sich die ganze Kraft des christlichen Menschenbildes ausdrückt.

 Ein Fest beschränkt sich in der Regel nicht auf eine einzelne Feier. Wir erhalten die Stimmungen eines Festes über einen längeren Zeitraum und sprechen meist von „Festeszeiten“. Jedes Fest findet seinen Vorlauf und seine Fortsetzung auch in den Gruppen und den Schulklassen. Die meisten unserer Feierlichkeiten sind nicht öffentlich, zu einigen laden wir aber auch die Familien gerne ein. Dazu gehören z. B. der Basar im November, das Sommerfest oder das Johannifeuer. Einen Einblick in den Unterricht erhalten Angehörige während unserer Schulfeiern, die zwei bis drei Mal jährlich stattfinden.
 

Geschichte
Das Hauptgebäude mit den großen Linden davor.

DIE ENTSTEHUNG EINES BESONDEREN ORTES

Ursprünglich geht Haus Arild auf eine Einrichtung für im Krieg traumatisierte oder verwaiste Kinder in Hamburg zurück. 1942 nahmen die beiden Sozialarbeiterinnen Frida Lefringhausen und Elfriede Wessel in einem Haus in Bergedorf die ersten Kleinkinder auf und konnten die Krankenschwester Helene Weihe für die Mitarbeit im anthroposophisch geprägten Haus gewinnen. Die Kindergruppe vergrößerte sich kontinuierlich und 1943 kam mit der Eurythmistin Olga Samyslowa eine weitere Kollegin hinzu. Die finanzielle Situation der Einrichtung war wie überall damals sehr schwierig und erforderte Erfindungsreichtum und wirtschaftliches Geschick der Mitarbeiterinnen. Neben dem Gehalt der noch staatlich angestellten Elfriede Wessel trugen vor allem großzügige Spenden der örtlichen Gemüsebauern zum Überleben bei.

DIE HERKUNFT DES NAMENS

Noch in den Kriegsjahren besuchte Frida Lefringhausen auf einer Reise nach Südschweden den Fischerort Arild. Dort erzählte man sich die Geschichte, dass einst im Winter eine Gruppe pilgernder Waisenkinder, die ein Quartier bis zum Frühling suchten, mit dem Zug nach Arild kam. Die Bewohner des kleinen Dorfes nahmen die Kinder in ihren Häusern auf und konnten miterlebten, wie die Waisenkinder auf eine ganz besondere Art verbunden waren. Sie verständigten sich immer untereinander, halfen sich gegenseitig und bildeten eine starke Gemeinschaft. Nach dem Winter zogen sie dann zusammen weiter. Beeindruckt von dieser Erzählung gab Frida Lefringhausen später der von ihr gegründeten Einrichtung den Namen Haus Arild.

DER UMZUG NACH BLIESTORF

Nach Kriegsende kamen einige Kinder zurück in ihre Familien, andere blieben in Haus Arild, viele von ihnen unterernährt und in ihrer Entwicklung verzögert. Vorrangiges Ziel der Betreuerinnen war es nun, den Kindern dabei zu helfen, ihre Ängste zu überwinden, Vertrauen zu entwickeln und wieder neuen Lebensmut zu fassen. Personell gab es mehrfache Wechsel, Frida Lefringhausen und Elfriede Wessel blieben die beiden treibenden Kräfte. Nachdem einige Kinder das Schulalter erreicht hatten, wurde nach einem neuen Standort in der Nähe einer Schule gesucht. 1949 erfuhr Frida Lefringhausen zufällig aus der Zeitung, dass in Bliestorf das „Alte Forsthaus“ zu verkaufen war. Mit viel Willenskraft und Energie gelang ihr dann tatsächlich der Kauf und der Umzug nach Bliestorf, dem heutigen Standort.

DIE ENTWICKLUNG BIS HEUTE

In Bliestorf übernahm Frida Lefringhausen die Führung der Einrichtung, Elfriede Wessels kümmerte sich um die Verwaltung und die Kommunikation mit den kostentragenden Jugendämtern. Viele Kinder wurden damals allerdings noch auf private Kosten ihrer Familien betreut. In den folgenden Jahrzehnten stieg kontinuierlich die Zahl der Kinder, der MitarbeiterInnen und der neu errichteten bzw. an- oder umgebauten Räumlichkeiten. So wurden ausreichend Platz und eine optimale Versorgung in allen Bereichen gesichert. Auch die Park- und Gartenanlagen sowie die umgebende Infrastruktur veränderten sich. Da die kleine Bliestorfer Schule den Bedürfnissen der Schüler aus Haus Arild nicht gerecht wurde, begann man schließlich mit „privatem“ Unterricht auf dem Gelände, aus dem sich die heutige Förderschule entwickelte.

Das Grundstück und fast alle Gebäude von Haus Arild sind von der Turmalin-Stiftung gemietet, das Haus „Imatra“ gehört dem Verein für soziale Lebensgestaltung durch Kunst- und Kulturschaffen e.V.

Träger unserer Einrichtung ist der Verein zur Förderung heilender und menschenbildender Erziehung e.V., Bliestorf. Wenn wir Ihr Interesse geweckt haben an der Entstehung, Nutzung und Namensgebung der einzelnen Gebäude auf dem Gelände von Haus Arild, fragen Sie bei uns gern nach der Broschüre "Zu den Häusernamen".

Blick auf das Haupthaus vom Ententeich im Winter
Haupthaus „Arild“ Anfang der 50er Jahre. Ein ehemaliges Forsthaus.
Das Forsthaus ursprünglich.